Brettchenweben…

 

                           

Ein altes Handwerk, das weltweit in verschiedenen Epochen ausgeübt wurde. Das älteste gefundene Relikt der Brettchenweberei stammt aus Nordafrika und wurde von Wissenschaftlern auf das Jahr 4000 vor Christus datiert. Ob die Brettchenweberei dort seinen Anfang nahm, kann man nur vermuten, denn es fand sich bisher kein älteres Beweisstück.

Ein sehr bedeutender Fund eines Brettchenwebvorganges wurde in Norwegen entdeckt. Der Oseberg-Schiffs-Fund wurde auf das Jahr 800 n. Christus datiert und zeigt ein Bandwebgerät mit 52 eingezogenen Brettchen und einem zum Teil gewobenen Band. Der Fund liegt im Universitätsmuseum für Antiquitäten in Oslo/ Norwegen.

 

 

Nach dem 8. Jahrhundert wurde auch in Europa das Brettchenweben immer mehr Bestandteil der handwerklichen Tradition. Gewebt wurde meist mit roher ungefärbter Wolle. Sehr schnell wurde es dann zum hochentwickelten Handwerk. In die Brettchenborte wurden Gold- und Silberfäden eingearbeitet. Komplizierte Muster und Borten aus reiner Seide fanden Anwendung auf der höfischen Kleidung.

Die älteste Brettchenweberei des europäischen Mittelalters, datiert auf 870 n.C. , ist ein Taillenband, gewidmet dem Bischof Witgarius von Augsburg.

 

 

Hier das Bild einer mittelalterlichen Darstellung des Kammwebens…

 

                                                               

                   

Codex Manesse, Tafel 94: Rost, Kirchherr zu Sarnen. Darstellung des Brettchenwebens. (um 1300)

 

 

                                                                

 

Das Mädchen mit dem roten Kleid sitzt an einem Brettchenwebstuhl. Der Webstuhl von Cultus Lignum sieht ähnlich aus.

 

Brettchengewebte Bänder fanden überall im täglichen Leben ihre Anwendung. Als Besatz für Kleidung, als Gürtel oder Schmuckbänder, auch als Zaumzeug für Pferde oder als Schultergurt für Taschen wurden sie eingesetzt. Vielfach fanden sich besondere historische Ereignisse als Darstellung auf den Bändern oder Schriftzüge um an besondere Ereignisse zu erinnern. Auch im religiösen Bereich wurden brettchengewebte Bänder eingeordnet.

In der heutigen Zeit werden sie größtenteils als Zierde für die Gewandung genommen oder als Schultergurt für Taschen. Da die Herstellung der Bänder ausschließlich Handarbeit ist, sind diese auch viel kostenintensiver als maschinell hergestellte Borten. Aber dafür hat man dann ganz einzigartige und einmalige Stücke…

 

                                                   

Als Grundlage fürs Brettchenweben benötigt man kleine, bis zu  8x8 cm große Brettchen mit Löchern, je kleiner die Brettchen umso schwerer das drehen der Brettchen beim weben…

                                    

                                                   

Ich habe Brettchen aus Messing und aus Holz. Das hilft, wenn man in einem Webgang eine Anzahl Brettchen nach vorne und andere nach hinten drehen muss. Es gibt auch andere Brettchen als Dreiecksform oder als Sechseck. Allerdings ist da der Webvorgang um einiges komplizierter.

Dann benötigt man noch Garn. Das kann Baumwolle, Wolle, Leinen oder auch Seide sein. Ganz nach Wunsch.

Ich will euch hier jetzt nicht die einzelnen Techniken und Muster erklären, sondern nur einen ganz groben Einblick in die Brettchenbortenweberei geben. Am Ende der Seite findet ihr Links auf weitere Seiten, die das Brettchenweben ganz genau erklären.

 

Daher hier im Schnelldurchlauf. Die Brettchen werden mit verschiedenfarbigen gleichlangen Fäden bespannt. Je nach Muster müssen bestimmte Farben in dafür vorgesehene Löcher. Schon eine falsche Farbe im falschen Loch kann das ganze Muster verändern. Dann wird das Ende der Garnfäden verknotet und irgendwo befestigt, meist eine Türklinke oder ein Haken in der Wand. Wichtig ist, dass dieser nicht nachgeben kann, denn die Borte muss beim Weben unter Spannung stehen, das heißt straff sein, damit das Muster schön gleichmäßig wird... Wer einen Webstuhl hat, bespannt den natürlich.

Hier gibt es die Webstühle mit einer festgelegten Garnlänge. Das längste Band läge da bei 6-7m. Das war die größte Länge, die ich im Internet auf einem Webstuhl ausmachen konnte.

Es gibt aber auch Webstühle mit einer Länge, die nach eigenem Ermessen gewebt werden kann. Wer eine 10m lange Borte haben möchte, kann das dann auch so weben.

Der Webstuhl von Cultus Lignum bietet so etwas und auch Gewichtswebstühle, wie dieser hier…

         

 

Nun werden die Brettchen nach Musterfolge gedreht, zum Beispiel 4x vor und 4 x zurück. So entsteht mit der Zeit ein gleichmäßiges Muster…

 

   

 

                             Brettchen-Webstuhl auf einem mittelalterlichen Markt

 

 

                               meine Tochter am Webstuhl

 

                        und so können Brettchenborten aussehen….

 

                                         

 

                                                                

 

                  

                     Wer nun Feuer für dieses interessante mittelalterliche Handwerk gefangen hat, dem seien hier einige empfehlenswerte  

                     Seiten aufgezeigt…

 

http://www.steinmaus.de/Mittelalter/weben/index.html   umfangreiche Seite mit Links zu Literatur

 

http://www.flinkhand.de/index.php?brettchenweben    auch hier viel Info, gute Tipps für eine gelungene     

                                                                                 Brettchenborte

 

http://www.slawin-svana.de/     Seiten der Slawin Svana, viel Info, schöne Borten und eine wirklich nette

                                                Seitenbetreiberin, die sich auch kniffeligen Fragen stellt   

 

…und wer lieber erst einmal virtuell am Computer Brettchenweben möchte, der kann das mit diesem englischen Programm tun. Man kann alles einstellen, von der Scherung, bis zur Drehrichtung. Da auch wir uns schon mit dem Brettchenweben beschäftigt haben, kann ich nur sagen, dass dieses Programm eine echte Hilfe ist, was das Verstehen von Mustern angeht. Neue Muster lassen sich dadurch ganz leicht ausprobieren und kreieren.

Wer mit dem Programm nicht klar kommt, darf uns auch gerne eine Mail schicken. Wir helfen weiter, so weit es in unserer Macht steht. Auf Vista läuft es übrigens nicht, das haben wir schon getestet…

 

Hier also der Link zum Download…

 

http://www.theloomybin.com/cw/download/index.html    auf diesen Seiten ist der Download zum Programm LoonyBin

                                                                                

…ich habe mir den Zip-Ordner gedownloadet, entpackt und dann installiert. Als Symbol erhält man folgenden Button

 

  …wenn man den anklickt erscheint zuerst das Symbol einer Lochkarte und einer grüner Schriftzug darunter

 

load a pattern     …den anklicken. Ein zweites Fenster wird geöffnet und man kann sich aus vorhandenen Mustern eines      

                           aussuchen. Dann wird das Programm mit dem gewählten Muster gestartet. Hier kann das Muster nach

                           Belieben verändert und mit eigenem Namen in der Bibliothek abgespeichert werden.  

                                                                                           Viel Spaß beim Brettchenweben wünschen euch die

 

                                                  Sternenfängerin              und             der Zaubermond