Kleine
Farbenlehre
Ein für die Rekonstruktion
mittelalterlicher Kleidung wichtiger Aspekt ist die richtige Farbenwahl; denn
die Kleiderfarbe spielte im Mittelalter aus verschiedenen Gründen eine
bedeutende Rolle.
Die Wahl einer bestimmten Farbe
hatte oft symbolischen Charakter.
Auch heute haben Farben noch
immer symbolische Aussagekraft, so ist zum Beispiel Schwarz noch immer eine
Farbe der Trauer, Rot die Farbe der Liebenden und Weiß symbolisiert
Jungfräulichkeit.
Natürlich war es nicht ganz
billig bestimmte Farben zu erhalten und so mussten sich die niederen Stände mit
Farben begnügen, die entweder günstig oder von der Natur gegeben waren. Dazu
gehören Brauntöne, und verschiedene Schattierungen in Grün und Natur.
Der Adel bekannte aus
Prestigegründen daher gerne „Farbe“, zeigte sich doch dadurch Wert und Stand
des edlen Herren.
Braun: Braun war die Farbe des Volkes. Günstig zu
erreichen durch Nussschalen und Wurzeln. Daher war es für jedermann
ersichtlich, das jemand in brauner Gewandung zu den ärmlicheren Verhältnissen
gehörte.
Blau: Blau war
nach Rot die beliebteste Farbe für den Adel seit dem 13. Jahrhundert. Vorreiter
scheint hier Frankreich gewesen zu sein, was wohl auch mit den Wappenfarben der
französischen Monarchie zu tun hat( goldene Lilie auf blauem Grund). Indigoblau
wurde mittels der importierten Farbe des orientalischen Indigostrauches
erreicht.
Weniger teuer und damit auch für
besser gestellte Schichten erschwinglich ( wie zum Beispiel Kaufleute oder
niederer Adel) waren Stoffe in Waidblau. Das wesentlich billigere
Färberwaid-Blau hatte natürlich nicht die Leuchtkraft von Indigo und konnte
daher sehr gut vom teuren Stoff unterschieden werden.
Rot: Rot spielte im Mittelalter die
bedeutendste Rolle. Beim Adel traditionell die Farbe des Kriegers verkörperte
sie symbolisch Mut, Kampf und Blut. Das wurde so auch bis ins 15. Jahrhundert
beibehalten und avancierte erst dann zur Farbe des Herrschers, sprich des
Königs oder Kaisers. Gut zu sehen in Abbildungen mit Krönungsmantel des
Herrschers.
Purpur war die mit Abstand teuerste
Farbe des Mittelalters und daher ausschließlich dem Hochadel vorbehalten.
Gelb: Das
leuchtende Goldgelb wurde durch Färben mit teurem Safran erreicht. Da diese
Farbe nicht sehr lichtbeständig war und sehr schnell verblasste, nahm man
goldgelbe Stoff in der Regel nur zum unterfüttern der Gewandung oder für die
Unterkleider. Auch diese Farbe war dem Adel und den höheren Ständen
vorbehalten
Dass blasse und fahle Gelb aus dem
einheimischen Färberwau galt das ganze Mittelalter durch als Schandfarbe. Es
diente zur Kennzeichnung gesellschaftlicher Außenseiter wie Prostituierte und
Juden.
Grün: Die Farbe
Grün erreichte man durch die Kombination mit Blau und Gelb. Das leuchtende Grün
war auch hier den höheren Ständen vorbehalten, die blassen Varianten durften durch
Bauern und niederes Volk getragen werden.
Zu erwähnen sei hier noch, dass im
Laufe der Zeit die Farbe Gelb schnell verblasste und daher Grüntöne zum
blaustichigen neigten. Dieser Vorgang erklärt auch, weshalb
spätmittelalterliche Tapisserien wie zum Beispiel die berühmten
Tausendblumenteppiche, die ursprünglich grüngrundig waren, heute blau
erscheinen.
Schwarz:
Schwarz war die Farbe des niederen Klerus und der Magistrate. In die höfische
Mode fand es erst Eingang im 15. Jahrhundert durch den Burgunderherzog Philipp
den Guten.
Das Färben schwarzer Stoffe,
welches eine spezielle Technik erforderte, wurde von der Zunft der
Schwarzfärber erreicht (im Gegensatz zu der Zunft der Buntfärber).
In manchen Städten, wie zum
Beispiel Aachen, war es Vorschrift, dass die schwarzen Wollstoffe vorher
„gebleut“ wurden. Das heißt, mit Indigo oder Waid vorgefärbt um einen schöneren
Glanz zu erhalten.
Inhaltlich angelehnt an „Kleidung und Waffen der Hochgotik“ von Ulrich
Lehnart.
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Beliebteste Färbemittel im Mittelalter
folgen hier:
Krapp (Rubia tinctorum)
Eines der
beliebtesten Färbematerialien scheint Krapp gewesen zu sein. Das Mittel kann
für verschiedene Nuancen verwendet werden. In der Regel wurde es für ein warmes
Orange-Rot benutzt, aber es kann je nach Intensität auch ein Gelb, Violett und
Braun daraus entstehen.
Krapp wurde auch in Mischung mit anderen Färbemitteln benutzt: Zusammen mit
Indigo kann ein Violett bis zu Schwarz erzeugt werden, mit Krapprot wurde aber
auch gelb "vergoldet", also mit einem warmen orangefarbenen Schimmer
versehen.
Genaueres zu Krapp z.B. bei T. Seilnacht, Krapp .
Kermes-Schildlaus (Kermes vermilio)
Kermes ist eine weitere rote Farbe, die aber praktisch nur für teure Stoffe und deshalb nur für die Kleidung der höhergestellten Schichten verwendet wurde. Sie wird aus den ausgewachsenen, eitragenden Weibchen der Kermes Schildlaus, die auf der Kermeseiche (Quercus coccifera) lebt, gewonnen. Die Farbe, die entsteht, kann als tiefes Purpur beschrieben werden.
Indigo (Indigofera tinctoria)/Färberwaid (Isatis
tinctoria)
Indigo/Waid
ergibt einen blauen Farbton und war ebenfalls sehr beliebt im Mittelalter, auch
wenn erstaunlicherweise der Farbton in der Untersuchung von Whiting und seinem
Team ziemlich selten auftauchte. Da Indigo und Waid aber oft in
mittelalterlichen Handeldokumenten erwähnt sind, muss man annehmen, dass die
geringe archäologische Fundmenge der Farbstoffe in England damit zusammenhängt,
dass diese Farbe schnell verblasst und bei den Bodenfunden nur noch schwer
nachzuweisen ist.
Waid wurde in Form von getrockneten, zerkleinerten, zusammengepressten Blättern
gelagert und konnte so ihre Färbefähigkeit über lange Zeit halten.
Genaueres zu Indigo und Waid z.B. bei T. Seilnacht, Indigo/Waid.
Gelber Farbstoff/Färberwau (Reseda inteola)
Auch gelbe
Farbnuancen wurden gefunden, mindestens in 11 Proben. Die Hauptkomponente
dieses Färbemittels scheint Luteolin zu sein, das im Färberwau vorkommt.
Billiges Gelb wurde auch aus Rinden (z.B. des wilden Apfelbaums oder des
Sauerdorns) gewonnen, teures aus Safran.
Gerne wurde gelb mit Indigo/Waid vermischt, woraus sich ein Grün ergab, oder
mit Krapp, um orange, goldene und braune Töne zu erzeugen.
Genaueres zu Wau z.B. bei T. Seilnacht, Reseda.
Weitere Naturfarbstoffe im braunen Farbbereich
Dunklere Nuancen, vor allem im braunen Farbbereich, wurden durch Rinden, Nüsse oder Wurzeln erzeugt. Diese Färbemittel waren in der Regel preiswert.
Gestützt
auf eine Studie, die Prof. Dr. M.C. Whiting und sein Team (A. Harvey, J.
Harvey, T. Sugiura, M.J.K. Thomas von der University of Bristol und P. Walton,
Textile Research Associates) 1975-1982 an der Universität Bristol unternahm.
Sie untersuchten 351 Fragmente von Textilien aus dem 13.-15. Jh. nach dem
Material und der Art ihrer Färbung. Von den 351 ausgewählten Beispielen ergaben
220, also 63%, ein positives Ergebnis, schienen also gefärbt worden zu sein.
Als am häufigsten benutztes Färbemittel stellte sich Krapp heraus.
Eine gute Zusammenfassung der Arbeit bietet P. Walton, "The Dyes",
in: E. Crowfoot, F. Pritchard, K. Staniland, Textiles and Clothing
c.1150-c.1450, Medieval Finds from Excavations in London 4, London: HMSO 1992,
199-201.
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